Keyword-Recherche Anleitung: 7 Schritte für Einsteiger
Keyword-Recherche heißt herauszufinden, mit welchen Worten deine Zielgruppe sucht, und diese Worte den richtigen Seiten zuzuordnen. In dieser Anleitung gehst du sieben Schritte von einer vagen Idee bis zu einem Plan, den du direkt umsetzen kannst.
Was ist Keyword-Recherche und wofür brauchst du sie?
Ein Keyword ist ein Suchbegriff oder eine Suchphrase, die Menschen in eine Suchmaschine eintippen. Keyword-Recherche ist die Arbeit, solche Begriffe zu sammeln, zu bewerten und Seiten zuzuordnen. Sie beantwortet drei Fragen: Wonach suchen Menschen in meinem Themenfeld? Welche Absicht steckt dahinter? Welche Seite von mir kann die beste Antwort liefern?
Ohne Recherche schreibst du aus deiner eigenen Sicht. Du benutzt Fachwörter, die dein Kunde nie eintippt, und verpasst Fragen, die ihn wirklich beschäftigen. Mit Recherche schreibst du in der Sprache der Suchenden. Das gilt für einen Online-Shop genauso wie für einen Handwerksbetrieb, einen Blog oder eine lokale Praxis.
Wichtig ist die Erwartung: Keyword-Recherche ist keine Zauberformel für Platz eins. Sie ist die Grundlage für gute Entscheidungen. Wenn du weißt, was Menschen suchen, kannst du gezielt Seiten bauen, statt zu raten. Die Begriffe findest du in unserem Keyword-Tool, die Grundbegriffe stehen im Glossar.
Schritt 1: Ziel und Zielgruppe festlegen
Bevor du ein Tool öffnest, klärst du, wer deine Seite finden soll und wozu. Ein Shop braucht Begriffe, mit denen Menschen kaufen wollen. Ein Ratgeber braucht Fragen, auf die er Antworten gibt. Ein lokaler Betrieb braucht Begriffe mit Ortsbezug.
Schreib dir drei Sätze auf und beantworte sie so konkret wie möglich:
- Wer sucht? Beschreibe die Person: Anfänger oder Profi, privat oder geschäftlich, mit Zeitdruck oder ohne.
- Was will die Person erreichen? Ein Problem lösen, etwas verstehen, etwas kaufen, einen Anbieter in der Nähe finden.
- Welche Seite von dir hilft dabei? Nenne eine vorhandene Seite oder eine, die du bauen müsstest.
Schritt 2: Seed-Keywords wählen
Das Seed-Keyword ist dein Ausgangsbegriff. Aus ihm leitest du alle weiteren Ideen ab. Nimm einen einfachen Begriff aus dem Alltag deiner Kunden, nicht dein internes Fachwort. Wer Kaffeemaschinen verkauft, startet mit „kaffeemaschine“, nicht mit „Heißgetränkezubereiter“.
Wähle am Anfang drei bis fünf Seeds, nicht zwanzig. Gute Quellen für Seeds sind deine Produkt- oder Leistungsseiten, die Menüpunkte deiner Website, Fragen aus E-Mails und Support-Anfragen sowie Begriffe, die Kunden im Gespräch benutzen. Notiere auch Synonyme: Manche sagen „Vollautomat“, andere „Kaffeevollautomat“, wieder andere „Kaffeeautomat“.
Schritt 3: Keyword-Ideen sammeln
Jetzt füllst du die Liste. Die ergiebigste kostenlose Quelle sind die Autocomplete-Vorschläge von Google, weil sie zeigen, wie Menschen tatsächlich formulieren. Wie das im Detail funktioniert, erklärt der Artikel zu Google Autocomplete für Keyword-Ideen.
Gib im Keyword-Tool dein Seed ein. Das Tool hängt die Buchstaben a bis z sowie Fragewörter und typische Verbindungen wie „für“ oder „ohne“ an, sammelt die Vorschläge und entfernt doppelte Einträge. So bekommst du in Sekunden eine Liste, für die du von Hand lange bräuchtest.
Ergänze die Liste um eigene Quellen:
- Fragen und Formulierungen aus E-Mails, Chats und Bewertungen deiner Kunden
- Überschriften und Menüpunkte bei Wettbewerbern, als Anregung und nicht zum Kopieren
- Die ähnlichen Fragen, die Google unter den Suchergebnissen zeigt
- Fachbegriffe, die du kennst und die Laien in einfacher Sprache umschreiben
Schritt 4: Ideen sichten und filtern
Aus einem Seed entstehen schnell mehrere hundert Ideen. Die meisten brauchst du nicht. Sichten heißt: Du streichst Unpassendes und behältst, wozu du eine echte Antwort hast.
Nutze den Filter im Ergebnis. Suche nach Wörtern wie „test“, „kaufen“, „anleitung“, „ohne“ oder „günstig“ und sieh dir an, welche Absichten in deiner Liste vertreten sind. Streiche dann alles, was nicht zu deinem Angebot passt, zum Beispiel Begriffe zu Produkten, die du nicht führst, oder Orte, in denen du nicht arbeitest. Entferne außerdem Dubletten wie Singular und Plural oder Schreibvarianten, die dasselbe meinen.
Frag bei jedem übrig gebliebenen Begriff dreimal: Passt er zu meinem Angebot? Habe ich dazu etwas Brauchbares zu sagen? Würde ein Besucher, der das sucht, bei mir etwas finden, das ihm hilft? Nur bei dreimal Ja bleibt der Begriff auf der Liste.
Schritt 5: Suchintention prüfen
Zwei Begriffe können ähnlich klingen und völlig Verschiedenes meinen. „kaffeemaschine kaufen“ will ein Produkt, „kaffeemaschine entkalken“ will eine Anleitung. Die Absicht entscheidet, welche Seite passt.
Der einfachste Test: Gib den Begriff selbst bei Google ein und sieh dir die ersten Ergebnisse an. Siehst du Ratgeber, Produktlisten, Vergleiche, Videos oder Karten? Genau dieses Format erwartet Google offenbar von der Anfrage. Wenn du mit einem Verkaufstext gegen lauter Ratgeber antrittst, hast du es schwer, und umgekehrt.
Die vier Grundtypen und die Signalwörter dazu findest du im Artikel Suchintention erkennen. Dort gibt es auch eine Checkliste für die Prüfung der Suchergebnisse.
Schritt 6: Keywords Seiten zuordnen
Jetzt wird aus Rohmaterial ein Plan. Fasse Begriffe mit gleicher Absicht zu Gruppen zusammen. „kaffeemaschine entkalken“, „kaffeemaschine entkalken essig“ und „kaffeemaschine entkalken hausmittel“ gehören auf eine einzige Seite. Pro Gruppe wählst du einen Hauptbegriff und zwei bis vier Nebenbegriffe.
Prüfe dann, ob es für die Gruppe schon eine Seite gibt. Wenn ja, verbessere sie, statt eine zweite anzulegen. Zwei Seiten für dieselbe Absicht schwächen sich gegenseitig, das nennt man Kannibalisierung. Wenn nein, kommt das Thema auf die Planliste für neue Inhalte.
Wie du Gruppen bildest und die Liste pflegst, steht in Keyword-Liste strukturieren. Wer größere Mengen ordnen will, findet im Beitrag Keyword-Cluster erstellen ein erweitertes Vorgehen.
Schritt 7: Reihenfolge festlegen und umsetzen
Du wirst nicht alles auf einmal schaffen. Lege fest, womit du beginnst. Gute erste Kandidaten sind Themen, die direkt zu deinem Geschäft passen, bei denen du die beste Antwort liefern kannst und die konkret genug sind, um sie in einem Artikel oder auf einer Seite sauber abzuhandeln.
Für neue oder kleine Websites sind konkrete Long-Tail-Begriffe meist der realistischere Einstieg als allgemeine Oberbegriffe. Warum das so ist und wie du solche Begriffe findest, steht in Long-Tail-Keywords finden.
Typische Fehler bei der Keyword-Recherche
Die meisten Probleme entstehen nicht durch fehlende Tools, sondern durch Denkfehler:
- Nur Oberbegriffe sammeln: Sie sind meist unspezifisch und stark umkämpft, die Absicht bleibt unklar.
- Die Suchintention ignorieren: Ein Begriff passt zum Thema, aber die Seite liefert das falsche Format.
- Pro Seite zu viele Hauptthemen: Eine Seite, die alles abdecken will, überzeugt bei nichts.
- Dasselbe Thema auf mehreren Seiten: Das führt zur Kannibalisierung.
- Begriffe aus der eigenen Fachsprache: Was Kunden nicht eintippen, bringt keine Besucher.
- Liste sammeln und nie umsetzen: Eine Recherche ohne Plan bleibt Datei-Ablage.
Ein weiterer Fehler ist, Zahlen zu überschätzen. Das Tool zeigt Ideen, aber kein Suchvolumen. Das ist eine bewusste Entscheidung: Autocomplete verrät dir, wie Menschen formulieren, nicht wie oft. Für die Auswahl zählt deine Einschätzung. Mehr dazu im Beitrag Keyword-Recherche ohne Suchvolumen.
Checkliste: Ist deine Recherche fertig?
Gehe diese Punkte durch, bevor du mit dem Schreiben oder Umbauen beginnst:
- Ich kann in drei Sätzen sagen, wer sucht, was die Person will und welche Seite hilft.
- Ich habe drei bis fünf Seed-Keywords in der Sprache meiner Kunden.
- Ich habe die Ideen gesammelt und Unpassendes gestrichen.
- Ich habe für die wichtigsten Begriffe die Suchergebnisse selbst angesehen.
- Jede Gruppe hat einen Hauptbegriff und wenige Nebenbegriffe.
- Jede Gruppe ist einer vorhandenen oder geplanten Seite zugeordnet, keine doppelt.
- Ich weiß, welche drei Themen ich als Erstes umsetze.
Dein Aktionsplan für die nächsten vier Wochen
- Woche 1: Ziel und Zielgruppe klären, drei bis fünf Seeds festlegen, im Tool die erste Ideenliste erzeugen und als CSV sichern.
- Woche 2: Liste bereinigen, Suchintention für die wichtigsten Begriffe in den Suchergebnissen prüfen, Gruppen bilden.
- Woche 3: Gruppen vorhandenen Seiten zuordnen, Lücken als neue Themen notieren, Reihenfolge festlegen.
- Woche 4: Das erste Thema umsetzen, die Seite sauber auf einen Hauptbegriff ausrichten und von passenden Seiten intern verlinken.
Wenn du bei Schritt 3 noch tiefer einsteigen willst, helfen dir die Artikel zu kostenlosen Keyword-Quellen und zu W-Fragen als Keywords.
Video: Keywords mit wenig Konkurrenz finden
Wie du bei der Recherche Begriffe mit wenig Konkurrenz erkennst, zeigt SEO-Berater Stephan Czaja (Online Marketing One) auch im Video, aus über zehn Jahren praktischer SEO-Arbeit.
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Keyword-Recherche?
Für eine kleine Website mit einem klaren Thema reicht oft ein halber Tag für die erste Runde. Die Sammlung dauert mit dem Tool Minuten, das Sichten und Zuordnen braucht die meiste Zeit. Plane sie danach in regelmäßigen Abständen neu ein.
Brauche ich für die Keyword-Recherche ein bezahltes Tool?
Für den Einstieg nicht. Mit Autocomplete-Vorschlägen, den Suchergebnissen selbst und eigenen Kundenfragen kommst du weit. Bezahlte Tools liefern zusätzlich Schätzwerte zum Suchvolumen, die für manche Entscheidungen hilfreich sind, aber nicht Voraussetzung.
Wie viele Keywords pro Seite sind sinnvoll?
Ein Hauptbegriff und wenige Nebenbegriffe mit gleicher Absicht. Es gibt keine feste Zahl. Entscheidend ist, dass die Seite ein Thema klar beantwortet und alle Begriffe dieselbe Frage meinen.
Muss ich das Suchvolumen kennen?
Nicht zwingend. Es hilft, grob einzuschätzen, wie viele Menschen etwas suchen. Für viele Entscheidungen zählen aber Passung zum Angebot, Suchintention und die Frage, ob du die beste Antwort hast, mehr als eine Zahl.
Was ist der Unterschied zwischen Seed-Keyword und Long-Tail-Keyword?
Das Seed-Keyword ist dein kurzer Ausgangsbegriff, zum Beispiel „kaffeemaschine“. Long-Tail-Keywords sind die langen, konkreten Varianten daraus, etwa „kaffeemaschine für kleine küche“. Das Seed liefert den Start, die Long-Tail-Begriffe liefern meist die umsetzbaren Themen.
Wie oft sollte ich die Recherche wiederholen?
Ein bis zwei Mal im Jahr als Überprüfung und immer dann, wenn du ein neues Angebot oder Themenfeld startest. Bei saisonalen Themen lohnt eine Wiederholung vor der Saison.