Long-Tail

Long-Tail-Keywords finden: 6 Wege mit Beispielen

Long-Tail-Keywords sind lange, konkrete Suchanfragen, bei denen die Absicht meist klar ist. Mit sechs Wegen findest du davon mehr, als du abarbeiten kannst, und lernst, welche sich für deine Seite wirklich lohnen.

Von Stephan Czaja, SEO-Berater
· aktualisiert am · 8 Min. Lesezeit

Was sind Long-Tail-Keywords?

Ein Long-Tail-Keyword ist eine spezifische Suchanfrage aus meist drei oder mehr Wörtern, zum Beispiel „laufschuhe für breite füße“ statt nur „laufschuhe“. Der Name kommt vom „langen Schwanz“ einer Verteilung: Wenige Begriffe sind sehr allgemein, sehr viele sind speziell und selten, zusammen machen die speziellen aber einen großen Teil aller Suchen aus.

Wichtig ist nicht die Wortzahl, sondern die Genauigkeit. „laufschuhe“ kann bedeuten: Ich will mich informieren, ich suche ein Modell, ich will kaufen, ich suche Pflegetipps. „laufschuhe für breite füße“ nennt dagegen ein Problem. Wer das eintippt, hat ein konkretes Bedürfnis und erwartet eine konkrete Antwort.

Für dich heißt das: Du kannst gezielt eine Seite bauen, die genau diese Frage beantwortet. Das ist leichter, als bei einem Oberbegriff gegen große Seiten anzutreten. Die Grundbegriffe findest du im Glossar, den Gesamtprozess in der Keyword-Recherche Anleitung.

Warum Long-Tail für kleine Websites oft der bessere Start ist

Allgemeine Begriffe sind meist umkämpft. Große Anbieter mit viel Inhalt und vielen Verweisen belegen sie. Eine neue oder kleine Website hat dort wenig Chancen. Bei konkreten Anfragen sind weniger Seiten wirklich passend, und eine Seite, die die Frage genau trifft, kann sich behaupten.

Dazu kommt die Absicht. Wer „laufschuhe für breite füße“ sucht, braucht Beratung oder eine passende Auswahl. Wer „laufschuhe“ sucht, ist vielleicht noch weit vom Kauf entfernt. Ein spezifischer Begriff führt daher oft zu zufriedeneren Besuchern, weil dein Inhalt zur Frage passt.

Ein weiterer Vorteil liegt im Aufbau. Viele kleine Seiten, die je eine Frage sauber beantworten, zeigen Suchmaschinen und Lesern, dass du ein Thema in der Tiefe beherrschst. Jede Seite kann die anderen intern verlinken, und der Besucher findet von der Detailfrage zum Angebot.

Ein Hinweis zur Ehrlichkeit: Ohne Suchvolumen weißt du nicht genau, wie oft ein Begriff gesucht wird. Long-Tail-Begriffe werden einzeln seltener gesucht als Oberbegriffe. Der Vorteil entsteht durch viele gut passende Seiten, nicht durch einen einzelnen Treffer.

Weg 1: Die Alphabet-Methode

Hänge an dein Seed-Keyword nacheinander die Buchstaben a bis z und notiere, was Google vorschlägt. Aus „laufschuhe a“ wird zum Beispiel „laufschuhe auf asphalt“, aus „laufschuhe w“ vielleicht „laufschuhe wasserdicht“. Manche Buchstaben liefern nichts, andere gleich viele Ideen.

Von Hand dauert das lange. Das Keyword-Tool macht dasselbe automatisch, ergänzt Fragewörter und typische Verbindungen und entfernt doppelte Einträge. Die Hintergründe erklärt der Artikel zu Google Autocomplete für Keyword-Ideen.

Weg 2: Fragen sammeln

Stelle Fragewörter voran: was, wie, warum, wann, wo, welche, wer, wie lange. „wie lange hält ein fahrradhelm“ zeigt ein klares Informationsbedürfnis, für das sich ein Ratgeber eignet. Fragen liefern gleich Titel und Gliederung mit.

Fragen sind besonders wertvoll, weil die Antwort oft kurz sein kann. Du kannst sie am Beginn eines Abschnitts direkt beantworten und danach vertiefen. Eine ausführliche Anleitung dazu steht im Beitrag W-Fragen als Keywords.

Weg 3: Eigenschaften kombinieren

Verbinde dein Thema mit Zielgruppe, Material, Ort, Anlass oder Einschränkung. Typische Verbindungswörter sind „für“, „ohne“, „mit“, „bei“, „gegen“ und „zum“. Aus „laufschuhe“ werden „laufschuhe für breite füße“, „laufschuhe ohne sprengung“, „laufschuhe bei plattfuß“ oder „laufschuhe zum marathon“.

Gehe systematisch vor und lege eine kleine Matrix an:

  • Zielgruppe: für kinder, für senioren, für anfänger, für frauen, für büro
  • Eigenschaft: leicht, wasserdicht, günstig, nachhaltig, ohne akku
  • Anlass oder Ort: für den urlaub, für den winter, in berlin, für zuhause
  • Problem: bei rückenschmerzen, bei nässe, gegen schweiß

Nicht jede Kombination ergibt Sinn. Teste die vielversprechenden im Tool oder direkt bei Google. Wenn die Suche passende Vorschläge liefert, ist die Formulierung üblich.

Weg 4: Kundenfragen auswerten

Die besten Long-Tail-Begriffe sind oft echte Kundensprache. Schau in E-Mails, Support-Chats, Kommentare, Bewertungen und in das, was am Telefon oder im Laden gefragt wird. Was fragen Kunden immer wieder? Welche Wörter benutzen sie, die du selbst nie nutzen würdest?

Notiere dir Fragen sofort in einer Liste. Ein monatlicher Blick in den Posteingang reicht, um dauerhaft neue Ideen zu bekommen.

Weg 5: Ähnliche Fragen und Suchergebnisse auswerten

Gib dein Seed bei Google ein und scrolle durch die Ergebnisseite. Oft erscheinen Bereiche mit weiteren Fragen zum Thema, am Ende gibt es verwandte Suchanfragen. Beides sind Hinweise, welche Unterthemen Suchende interessieren.

Sieh dir außerdem die Überschriften der ersten Ergebnisse an. Welche Unterpunkte kommen immer vor? Welche fehlen? Fehlende Punkte sind deine Chance, es besser zu machen. Kopiere nicht, was alle schreiben, sondern füge hinzu, was fehlt: konkrete Schritte, Beispiele, Grenzen und Ausnahmen.

Weg 6: Branchenspezifische Begriffe nutzen

Jede Branche hat typische Anlässe, Probleme und Jahreszeiten. Ein Gartenbetrieb hat im Frühjahr andere Fragen als im Herbst, ein Steuerberater im Januar andere als im Sommer. Wenn du diese Muster kennst, kannst du Seeds gezielt wählen.

Auf den Branchenseiten findest du Beispiele, wie sich Suchbegriffe je nach Geschäftsfeld unterscheiden. Nutze sie als Anregung für eigene Seeds, nicht als fertige Liste.

Wie du die besten Long-Tail-Begriffe auswählst

Du hast jetzt eine lange Liste. Nicht alles gehört hinein. Prüfe jeden Begriff mit diesen Fragen:

  1. Passt er zu meinem Angebot oder meinem Thema?
  2. Habe ich dazu eine bessere oder zumindest gleichwertige Antwort als die vorhandenen Ergebnisse?
  3. Ist die Absicht klar, und weiß ich, welche Seite ihn bedient? Siehe Suchintention erkennen.
  4. Gibt es schon eine Seite von mir dazu? Wenn ja, verbessere sie, statt eine neue anzulegen.
  5. Gehört er mit ähnlichen Begriffen auf dieselbe Seite?

Ähnliche Begriffe fasst du zu Gruppen zusammen, wie es der Artikel Keyword-Liste strukturieren beschreibt. „laufschuhe für breite füße“, „laufschuhe breite passform“ und „breite laufschuhe damen“ gehören meist auf eine Seite.

Praxisbeispiel: Aus einem Seed wird eine Seitenstruktur

Angenommen, du betreibst einen kleinen Laden für Wanderausrüstung und startest mit dem Seed „wanderrucksack“. Nach der Recherche liegen dir Begriffe vor wie „wanderrucksack damen“, „wanderrucksack 30 liter“, „wanderrucksack richtig einstellen“, „wanderrucksack waschen“ und „wanderrucksack für kinder“. Fünf Begriffe, aber nur drei verschiedene Absichten.

Danach verlinkst du die Ratgeber auf die Kaufberatung und die Kategorien. Wer die Anleitung zum Einstellen liest, ist ein möglicher Kunde und findet den Weg zum passenden Rucksack. So entsteht aus einzelnen Long-Tail-Seiten ein zusammenhängendes Themenfeld, das Besucher und Suchmaschinen leichter verstehen.

Typische Fehler bei Long-Tail-Keywords

  • Für jede Variante eine eigene Seite anlegen, obwohl die Absicht gleich ist. Das erzeugt dünne Seiten und Kannibalisierung.
  • Begriffe künstlich aneinanderreihen, bis der Text unlesbar ist. Schreibe für Menschen, nicht für eine Liste.
  • Nur nach Länge auswählen. Ein langer Begriff ohne Bezug zu deinem Angebot bringt Besucher, die nichts von dir wollen.
  • Die Absicht verwechseln. „laufschuhe reinigen“ will eine Anleitung, keine Produktliste.
  • Die Suchergebnisse nie prüfen. Was bei Google tatsächlich steht, zeigt, welches Format erwartet wird.

Auch das Gegenteil kommt vor: Wer nur Oberbegriffe verfolgt, gibt kleine Chancen auf. Eine gute Mischung ist ein Hauptthema pro Kategorie und viele konkrete Ratgeber und Detailseiten darum herum.

Aktionsplan: Long-Tail in vier Wochen

  • Woche 1: Drei Seeds wählen, im Keyword-Tool die Alphabet-Methode und Fragewörter laufen lassen, Liste exportieren.
  • Woche 2: Eigene Kundenfragen aus E-Mails und Chats ergänzen, Eigenschaften-Matrix anlegen, Liste bereinigen.
  • Woche 3: Die zehn aussichtsreichsten Begriffe in den Suchergebnissen prüfen, Absicht notieren, Gruppen bilden.
  • Woche 4: Zwei bis drei Seiten oder Artikel zu den besten Gruppen schreiben, intern verlinken, Liste mit Datum ablegen.

Wer auch regionale Chancen sucht, ergänzt das Vorgehen um die lokale Keyword-Recherche.

Video: Keywords mit wenig Konkurrenz finden

Hier erklärt SEO-Berater Stephan Czaja (Online Marketing One) den Ansatz noch einmal im Video – aus über zehn Jahren praktischer SEO-Arbeit.

Häufige Fragen

Was ist ein Long-Tail-Keyword einfach erklärt?

Es ist eine lange, konkrete Suchanfrage, meist mit drei oder mehr Wörtern, zum Beispiel „laufschuhe für breite füße“. Die Absicht ist klarer als bei einem kurzen Begriff, und es konkurrieren meist weniger passende Seiten.

Wie viele Wörter hat ein Long-Tail-Keyword?

Meist drei oder mehr, aber eine feste Grenze gibt es nicht. Entscheidend ist, wie konkret die Anfrage ist, nicht die Länge.

Sind Long-Tail-Keywords besser als kurze Keywords?

Nicht grundsätzlich, aber für kleine und neue Websites oft der realistischere Einstieg. Kurze Begriffe sind meist umkämpfter und haben eine unklarere Absicht.

Kann ich Long-Tail-Keywords ohne Suchvolumen auswählen?

Ja. Autocomplete zeigt dir, dass Menschen so formulieren. Du entscheidest nach Passung, Absicht und deiner Fähigkeit, die beste Antwort zu geben. Mehr dazu im Beitrag Keyword-Recherche ohne Suchvolumen.

Sollte jede Long-Tail-Variante eine eigene Seite bekommen?

Nein. Varianten mit gleicher Absicht gehören auf eine Seite. Eine eigene Seite lohnt sich nur, wenn die Absicht oder die Antwort sich deutlich unterscheidet.

Wo finde ich Long-Tail-Keywords kostenlos?

In Google Autocomplete, in den ähnlichen Fragen unter den Suchergebnissen, in deinen Kundenanfragen und im kostenlosen Keyword-Tool. Weitere Quellen beschreibt der Beitrag Keywords kostenlos finden.

Quellen